Die Rute 2018 geht an Britta Anger:

Die Soziale Liste rügt das verwalten des Mangels

Die Rute, der von der Sozialen Liste Bochum gestiftete alternative Weihnachtspreis für soziale und politische Missetaten, ist in diesem Jahr an die Sozialdezernentin Britta Anger verliehen worden. Damit rügt die Soziale Liste Bochum Ihre oft beschönigende Darstellung der sozialen Entwicklungen und der Sozialpolitik in Bochum. So zum Beispiel bei den Themen Kinderarmut, Überschuldung und Altersarmut.

Auch Britta Angers Feststellung: „Es gibt keinen Stadtteil, um den wir uns Sorgen machen müssen“, passt in Ihr Beschönigungsmuster. Die Soziale Liste schreibt Frau Anger: „In Ihrem Sozialbericht 2018 brauchen sie sich nur die Konzentration von Armut in den nördlichen Stadtteilen von Wattenscheid, dem Gleisdreieck und den Bezirk Kruppwerke ansehen, um zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Auch ein Blick nach Günnigfeld, Leithe oder Werne wäre sicherlich hilfreich“.

Auch zur größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich trägt die Bochumer Kommunal- und Sozialpolitik bei. So verschweigt der Sozialbericht Schlussfolgerungen, wenn festgestellt wird, dass bei denjenigen, die 2003 über kein oder nur ein geringes Vermögen (bis 6.700 €) verfügten, das Vermögen bis zum Jahr 2013 drastisch gesunken ist. Die verfehlte Anwendung der Hartz-Gesetze wird noch nicht einmal als eine Quelle des Vermögensverlustes genannt. Auf der anderen Seite sind die Vermögen derjenigen deutlich gestiegen, die bisher schon besser gestellt waren. Das statistische Gesamtergebnis ergibt dann, dass das Pro-Kopf-Vermögen in Bochum um 8,5 % auf 57.500 € gestiegen ist.

Bei all diesen Problemen hatte die Soziale Liste bisher nicht den Eindruck, dass Frau Anger  diejenige war, die die Finger in die sozialen Wunden der Stadt gelegt hat. Innovative, nachhaltige und mutige Initiativen konnten wir nicht erkennen, sondern im wesentlichen ein Verwalten des Mangels. Die Soziale Liste ist daher der Meinung, dass Britta Anger nach Bernd Wilmert, Volker Goldmann, Thomas Wenner, Ottilie Scholz, Jens Lücking, Gerd Bollermann, Ernst Kratsch, Axel Schäfer, Michael Townsend, Mario Schiefelbein und Ernst Steinbach eine würdige Preisträgerin für die Rute 2018 ist.

Der Brief zur Rute.